(Urspr. Beitrag von Henry Maximilian Blunck im VfL Jesteburg Vereinsheft „Sport vor Ort 2010“)

Den 29. Mai 2010 vergessen die Spieler der Jesteburg Rugby Wombats nicht so schnell. An diesem sonnigen Frühsommertag gewannen sie zusammen mit ihrer Partner-Mannschaft den Geesthacht Harlekins zum ersten Mal die Meisterschaft der Regionalliga-Nord. Doch der 31:10 Erfolg gegen die Hamburg Exiles und die darauf folgende Meisterfeier waren nicht die einzigen Highlights im Kalenderjahr 2010.

Die Rückrunde der Saison 2009/2010 begann für die Rugby Abteilung mit perfekten Voraussetzungen. Die Herren standen als Spielgemeinschaft Jesteburg/Geesthacht an der Tabellenspitze der Regionalliga-Nord und hatten die Finalteilnahme fest im Blick, die Nachwuchsmannschaft ging ihrerseits ungeschlagen in die Rückrunde der Verbandliga-Saison. Die Chancen auf einen Titel standen also von Beginn an gut. Der Grundstein dafür wurden aber schon früh in der Saison gelegt. Nach einem schwachen Start der Herren holten die Wombats den ehemaligen Angreifer und Führungsspieler Marcel Bleyl zurück ins Boot. Dieser unterstütze fortan Trainer Kai Niedereichholz und entwickelte zusammen mit ihm ein taktisches Konzept. Dieses sollte sich als „unschlagbar“ erweisen. Denn nach einem Lauf von vier Siegen in Folge bis zur Winterpause blieben die „Harlebats“ – wie das Team aufgrund der beiden Spitznamen „Harlekins“ und „Wombats“ genannt wird – in der Rückrunde der Saison 2009/2010 gänzlich unbesiegt. Durch einen eindrucksvollen 26:17 Erfolg gegen den direkten Konkurrenten vom FC St.Pauli machte die SG schließlich am letzten Spieltag die Endspielteilnahme perfekt. Das lang anvisierte Ziel war also erreicht, nun sollte die Kür folgen. Gegner der Jesteburg/Geesthachter im Spiel des Tabellenersten gegen den Zweiten war der Spitzenreiter, die Hamburg Exiles. Diese hatten in der regulären Saison nur ein Spiel verloren und gingen als kleiner Favorit ins Rennen um den Titel. Doch die SG blieb ihrem eisernen Willen und ihrer taktischen Disziplin treu. Vor mehr als 400 Zuschauern am Hamburger Barmwisch gewannen sie durch die wohl beste Saisonleistung das Endspiel am Ende deutlich mit 31:10. Grenzenlose Freude auf Seiten der „Harlebats“. Als Kapitän Henry Blunck schließlich unter dem anerkennenden Applaus der Gegner die Meistertrophäe überreicht bekam, startete eine nicht enden wollende Meisterfeier.

Doch der Erfolg machte die Spielgemeinschaft nicht nur zum Champion, sondern berechtigte sie auch zur Teilnahme am Aufstiegsturnier zur 2.Rugby-Bundesliga Nord. Da die zweithöchste Spielklasse in ganz Nord- und Ostdeutschland ausgespielt wird, ist eine Teilnahme jedoch mit einem logistischen und vor allem auch finanziellen Mehraufwand verbunden. So haben die Verantwortlichen der Rugby-Abteilung von einer Teilnahme am Relegations-Turnier früh Abstand genommen und wollen ihrerseits erst einmal die Voraussetzungen für Bundesliga-Rugby in Jesteburg schaffen.

In punkto Jugendarbeit knüpften die Wombats im Jahr 2010 an ihre erfolgreiche Vergangenheit an. Die Nachwuchsmannschaft, die als Spielgemeinschaft mit den Hamburg Exiles an der Verbandsliga teilnimmt stand im Sommer ebenfalls im Endspiel. Allerdings musste sich das Team, welches von Jugendtrainer Matthias Abel geleitet wird am Ende gegen die sehr starke Mannschaft des FC St.Pauli geschlagen geben. Der Hamburger Traditionsverein ist im Norddeutschen Rugby vor allem in Sachen Jungendarbeit das Maß aller Dinge und in diesem Sinne ein Vorbild für die Jesteburger. Als Konsequenz wurden nun gleich an mehreren Schulen in der Umgebung Rugby-AGs eingeführt. Diese von Spielern der ersten Mannschaft ehrenamtlich geleiteten Einheiten haben von Seiten der Schüler und Lehrer so großen Zuspruch erhalten, dass nun neben dem Nachwuchstraining auch ein Schülertraining in Jesteburg angeboten wird. Dass Rugby ab 2012 eine olympische Sportart und der Weg ins deutsche Nationalteam kurz ist hat sich wohl herumgesprochen.

Das Comeback bei den olympischen Spielen in London gibt der Rugby-Sport mit seinem schnellen und attraktiven Turnierformat, dem 7er Rugby. Diese im Sommer und zumeist in zweitägigen Wettbewerben gespielte „sieben gegen sieben“ Variante (anstatt 15 gegen 15) erfreut sich auch in der Nordheide zunehmender Beliebtheit. Das von den Wombats veranstaltete Turnier „Wombats Open“ ging im Sommer in seine siebte Auflage und fand mit den „Crazy Pirates Pollhagen“ einen verdienten Sieger. Die Piraten, eine bunt zusammen gewürfelte Mannschaft aus dem Raum Hannover, ging mit diversen ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielern erstmals ins Rennen um den „Heide-Cup“ und begeisterte Gegner und Zuschauer gleichermaßen. Die neu gegründete 7er Mannschaft der Jesteburg Wombats namens „W7“ feierte ebenfalls einen erfreulichen Einstand. Die aus aktuellen und ehemaligen Wombats-Spielern bestehende Auswahl wurde nach schwachem Start am Ende Zweiter und freut sich nach der Premiere auf weitere erfolgreiche Turnierteilnahmen in ganz Europa. Verantwortlich für das Team ist René Schmidt. Der ehemalige Spieler und Mitbegründer der Wombats ist aber nicht nur im Bereich 7er Rugby wieder aktiv geworden, er hat auch den Posten des Obmanns der Rugby-Abteilung von Gordon Roeder übernommen. Dieser ist im Sommer von seinen Amt zurück getreten. Bereits zu seiner aktiven Zeit war Schmidt für die Geschicke der Abteilung verantwortlich.

Dieser personelle Wechsel sollte nicht der einzige bei den Wombats bleiben. Gleich vier erfahrene Stammspieler verließen nach dem Titelgewinn die erste Mannschaft berufs- oder studienbedingt und mussten durch Jugendspieler ersetzt werden. Dass dieser Wechsel nicht immer reibungslos abläuft zeigt ein Blick auf die Tabelle. Kurz vor der Winterpause haben die „Harlebats“ erst einen Sieg und ein Unentschieden auf der Habenseite, ihnen stehen sechs Niederlagen in der auf neun Teams erweiterten Regionalliga entgegen. Die Titelverteidigung, die Aufgrund der Abgänge von Beginn an als kaum realistisch angesehen wurde, ist somit längst vom Tisch. Da zur Winterpause der langjährige Kapitän Henry Blunck ebenfalls aus beruflichen Gründen die Wombats verlassen muss ist es also so etwas wie eine „Saison des Umbruchs“. Positiv an der Sache: Sowohl Spielmacher Blunck als auch diverse andere ehemalige Spieler konnten als Amtsträger gewonnen werden. Die Zeiten in denen die Arbeit der Rugby-Abteilung auf wenige Schultern verteilt war, sind vorbei und auch der Nachteil der jungen Sparte ohne ehrenamtliche Basis gehört der Vergangenheit an. Durch diesen positiven Wandel erhoffen sich die verantwortlichen der Wombats dem langfristigen Ziel „Bundesliga-Aufstieg“ näher zu kommen. Dass sie ab 2011 durch den Bau eines weiteren Platzes am alten Moor endlich ihr Training auch auf der Anlage des VfL abhalten können ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.