(Original-Artikel 2012 in der 100-Jahre VfL Jesteburg Festschrift erschienen. Autor: Olaf Akkermann)
1998 gründeten ehemalige und aktive Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums Buchholz um Thomas Gritzka, Jan-Carsten Schmidt und Olaf Akkermann beim TSV Buchholz 08 eine Rugby-Abteilung. Ihr Hand- und Fußwerk gelernt hatten sie alle in der Rugby-AG ihres Lehrers Denis Marcouly.



Nach der Gründung der Mannschaft stand nun die Gründung des Rugbyverbands Schleswig-Holstein und der Aufbau einer eigenen Liga mit Teams aus Hamburg, Rostock, Kiel, Geesthacht und Linau an. In dieser Liga feierte das junge Team der „Wombats“, so der Kampfname der Jesteburger Rugbytruppe, unter Trainer Andreas Rippin, selbst Jugendnationalspieler und ehemaliger Spieler des Hamburger Vereins SV Polizei, und Kapitän Jan-Carsten Schmidt erste Erfolge. Die Abteilung wechselte nach Verlust ihres Trainingsplatzes beim TSV Buchholz 08 unter der Führung von René Schmidt 2003 komplett nach Jesteburg, da der VfL sich dankenswerterweise bereit und in der Lage gezeigt hatte, den Ruggern sowohl einen Trainings- als auch einen Punktspielplatz zur Verfügung zu stellen.
1998 in Buchholz gegründet, wechselte die Rugbyabteilung 2003 vollständig zum VfL Jesteburg, um dort auf eigenem Platz und in einem neuen Verband den weiteren Aufbau und Angriff auf die 2.Bundesliga zu starten.


Die Wombats, nun unter der Flagge des Hamburger Rugby Verbands, zeigten sich in der Folge erkenntlich, indem sie mit respektablen Erfolgen den Namen des kleinen Heideortes auf der nationalen wie auch internationalen Rugbylandkarte bekannt machten.


Neben dem Wechsel zum VfL Jesteburg fand im Jahr 2002 eine Eingliederung der Verbandsliga Schleswig-Holstein in den Deutschen Rugby Verband statt. Aufgrund des Niveaus der Liga wurde so aus der Verbandsliga Schleswig-Holstein die Regionalliga Nord. Damit waren neue Anforderungen an die Mannschaft geschaffen und die Wombats begannen mit dem Aufbau einer eigenen Jugend- und Damenmannschaft.
Schon nach kurzer Zeit waren die Jugendspieler Jascha Nord, Wieland Schmidt, Benjamin Kühn, Marc Wolf, Markus Overheu und Julian Künkel für die Norddeutsche U17 Auswahlmannschaft nominiert und nahmen an einer Nationalliga, den Deutschen Meisterschaften und internationalen Turnieren teil. Jugendspieler Matthias Abel, späterer Spielmacher der Herren und langjähriger Trainer der Jugendmannschaften, war unter anderem später für die Nationalmannschaft nominiert, wie zuvor schon die Herren-Spieler Marcel Bleyl und René Schmidt. Beide Spieler feierten, zusammen mit weiteren Mannschaftskameraden, als Vertreter des VfL Jesteburg im Team der Universität Hamburg große Erfolge auf den Deutschen Hochschulmeisterschaften. Nach mehreren Jahren auf dem 3. Platz wurde 2006, bei der 7. Teilnahme einer Hamburger Uni-Mannschaft überhaupt, die deutsche Meisterschaft gewonnen. Die anschließende Teilnahme an der Europameisterschaft der nationalen Hochschulmeister in Grenoble war eine große Erfahrung für die beteiligten Jesteburger Marcel Bleyl, Jan-Hendrik Laudenbach und René Schmidt.
Ebenfalls kurz nach ihrem Wechsel zum VfL fanden die Wombats auch ihren neuen Trainer Kai Niedereichholz, selber ehemaliger Schüler unter Denis Marcouly und Spieler beim SV Polizei, der die Mannschaft später zusammen mit Co-Trainer Marcel Bleyl zur Meisterschaft führen sollte: 2010 stellte die Spielgemeinschaft aus den Wombats und den Geesthachter Harlekins (daher der Kunstname „Harlebats“) unter Obmann Gordon Roeder, der 2006 die Abteilung von René Schmidt übernommen hatte, den amtierenden Meister der Regionalliga Nord. Der damit berechtigte Aufstieg in die zweite Bundesliga scheiterte allerdings in personeller wie auch finanzieller Hinsicht. Mittelfristig aber bleibt das Ziel, die Mannschaft in die zweite Liga zu führen.


Noch führt Rugby in Deutschland eher ein Schattendasein, aber es sind erste Ansätze zu erkennen, dass sich dies in Zukunft verbessern kann. Sicherlich wird diese Sportart hierzulande nicht den Status erreichen, wie das in Südafrika, Neuseeland, Australien oder den britischen Nationen der Fall ist, aber schon die Tatsache, dass die 7er-Variante ab 2016 wieder wie vor 1924 olympisch wird, gibt Anlass zur Hoffnung, dass diese anspruchsvolle, kampfbetonte und telegene Sportart auch bei uns den Zulauf erhält, den sie verdient.
Ein sehr positiver Ansatz ist, dass in den 8. Klassen vieler weiterführender Schulen Rugby 2010 als Schulsportart eingeführt wurde. Auch Spieler unseres VfL bieten Fortbildungen und Trainingseinheiten an, um dadurch talentierte Nachwuchskräfte für unsere Mannschaften zu gewinnen. Die Entscheidung, Rugby an den Schulen zu bringen, ist auch vor dem Hintergrund sinnvoll, dass es für jeden Körperbau eine entsprechende taktische Position in der Mannschaft gibt. Spieler mit kräftigem Körperbau spielen je nach Größe in der ersten oder zweiten Sturmreihe, kleine drahtige werden als Hakler oder Gedrängehalb eingesetzt – schmale schnelle auf den Außenpositionen im Angriff und lange Schlackse als Fänger in den Gassen.
Durch den Spielbetrieb der ersten Mannschaft in der Regionalliga Nord, der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands, sowie einer zweiten Mannschaft in der Verbandsliga Nord bietet die Rugbyabteilung den etablierten Mitgliedern und den Neuzugängen die Möglichkeit, sich entsprechend ihrer Erfahrung und ihres Könnens auf dem Platz zu beweisen. Der ganzjährige Spielbetrieb ist mit der Teilnahme an diversen Turnieren im In- und Ausland gesichert. Die Regionalliga wurde in der Saison 2010/2011 erstmals mit neun Mannschaften durchgeführt und umfasst neben Mannschaften aus dem Großraum Hamburg auch Teams aus Bremen, Hannover, Kiel und Braunschweig.
Die neue, 2007 unter anderem von René Schmidt initiierte und in Turnierform ausgetragene Verbandsliga ist eine Ausbildungsliga, die den Unterbau für die Regionalliga und die zweite Liga bildet. Hier treffen Rugbyveteranen, die das Tempo der Regionalliga nicht mehr über 80 Minuten mitgehen können auf ambitionierte Jugendspieler, die ihre ersten Schritte im Herrenbereich wagen. So können die talentiertesten Nachwuchskräfte schon im Alter von 18 Jahren in die Regionalligamannschaft integriert werden und sichern damit den Spielbetrieb der Zukunft.
Zu den Turnieren, bei denen die Wombats gern gesehene Gäste sind, zählen das alle zwei Jahre stattfindende „Overton-Festoval“ im Süden Englands, an dem Mannschaften aus England, Schottland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland teilnehmen sowie das Braunschweiger „Kampf in den Mai“ – beides Veranstaltungen im 15er-Rugby. Weiterhin nehmen die Wombats am jährlich stattfindenden „Scandinavian Open“ – der inoffiziellen skandinavischen 7er-Rugby Meisterschaft, dem international besetzten „Exiles 7s“, sowie dem Kieler „Schietwetter-Cup“ teil.


Unumstrittener Höhepunkt der Wombats sind die traditionell im August in Jesteburg stattfindenden „Wombats-Open“ im 7er-Rugby, bei denen neben den Mannschaften aus dem Großraum Hamburg auch immer wieder hochklassige Teams wie der deutsche Rekordmeister Victoria Linden aus Hannover, aber auch Teams aus Göttingen oder Frankfurt und Spieler der British Army Fallingbostel begrüßt werden können. Dieses Turnier erfreut sich bei den Teilnehmern großer Beliebtheit, unter anderem weil sie nach getaner Arbeit unentgeltlich das Freibad entern dürfen. Schon die erste Auflage der „Wombats Open“, 2004 durch René Schmidt ins Leben gerufen, war ein großer Erfolg. Angetreten waren insgesamt zehn Mannschaften aus Göttingen, Rostock, Bremen, Kiel, Hamburg und Geesthacht. Die Wombats selbst traten mit zwei Mannschaften an und belegten vor der Uni Göttingen und den Elchen aus Rostock den ersten, sowie mit der zweiten Mannschaft den sechsten Platz. Anschließend zeigten die Hausherren auch bei der, im Rugby obligatorischen „dritten Halbzeit“ am Bierstand, dass der Turniersieg durchaus verdient war. In seiner 7. Auflage im Jahr 2010 fanden die Wombats Open mit den „Crazy Pirates Pollhagen“ einen verdienten Sieger. Die Piraten, eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft aus dem Raum Hannover, ging mit diversen ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielern erstmals ins Rennen um den „Heide-Cup“ und begeisterte Gegner und Zuschauer. Die 2010 von René Schmidt neu gegründete 7er Mannschaft der Jesteburg Wombats namens „W7“ feierte ebenfalls einen erfreulichen Einstand. Die aus aktuellen und ehemaligen Wombats-Spielern bestehende Auswahl wurde nach schwachem Start am Ende zweiter und freut sich nach der Premiere auf weitere erfolgreiche Turnierteilnahmen in ganz Europa.
Damit Rugby auch in den Wintermonaten nicht zu kurz kommt, riefen die Wombats am 29. Dezember 2007 die Hanseatic Beach Masters ins Leben. Die Beach-Variante des Rugby-Sports, die üblicherweise im Sommer gespielt wird, wurde im Namen des VfL Jesteburg in der Beachhalle Hamburg ausgetragen. Bereits in der ersten Auflage nahmen nicht nur Teams aus dem Hamburger Umland sondern auch aus Süddeutschland teil. Unter anderem waren mit den „Romantics“ auch viele deutsche Nationalspieler in einer Spaßtruppe vertreten. Diese Mannschaft konnte bisher alle Hanseatic Beach Masters unangefochten für sich entscheiden.
Seit 2010 ist René Schmidt wieder für das Team der Wombats verantwortlich: er übernahm den Posten des Obmanns von Gordon Roeder. Dieser personelle Wechsel sollte nicht der einzige bei den Wombats bleiben. Gleich vier erfahrene Stammspieler verließen nach dem Titelgewinn 2010 die erste Mannschaft berufs- oder studienbedingt und mussten durch Jugendspieler ersetz werden. Dass dieser Wechsel nicht immer reibungslos verläuft zeigte der Blick auf die Tabelle der anschließenden Saison 2010/2011: die Wombats scheitern nicht nur an der Titelverteidigung, sondern beendeten die Saison sogar als Tabellenletzter. Dass zum Ende der Saison auch der langjährige Kapitän Henry Maximilian Blunck die Mannschaft ebenfalls aus beruflichen Gründen verließ, unterstreicht diese spezielle „Saison des Umbruchs“ für die Wombats. Aufgrund akuten Spielermangels findet auch die 8. Auflage der Wombats Open im Jahr 2011 nicht statt. Das dennoch positive dieser Saison aber war, dass sowohl Spielmacher Blunck als auch andere ehemalige als Amtsträger gewonnen werden konnten. Die Zeiten, in denen die Arbeit der Rugbyabteilung auf wenige Schultern verteilt war, waren vorbei und auch der Nachteil der jungen Sparte ohne breite ehrenamtliche Basis gehörte der Vergangenheit an.
Nach mittlerweile acht Jahren Rugby beim VfL Jesteburg stehen somit heute die Mannschaftsgründer und ehemalige Spieler mit Rat und Tat hinter den Wombats und bemühen sich, die Infrastruktur der Rugbyabteilung zu verbessern und die Attraktivität des Rugbysports noch weiter zu steigern. Durch die begonnene Zusammenarbeit mit den umliegenden Schulen, durch Anstrengungen, auch die Damenmannschaft wiederzubeleben und nicht zuletzt durch die Erfolge der vergangenen Jahre sehen die VfL Jesteburg Wombats der Zukunft mit Freude und großen Erwartungen entgegen. Durch den positiven Wandel erhoffen sich die verantwortlichen der Wombats dem langfristigen Ziel „Bundesliga-Aufstieg“ näher zu kommen. Dass sie ab 2011 durch den Bau eines weiteren Platzes am alten Moor endlich ihr Training auch auf der Anlage des VfL abhalten können ist ein weiterer wichtiger Schritt und zeigt, dass die Entscheidung, im Jahr 2003 zum VfL zu wechseln, die richtige war.
